Sonntag unter Druck: Die Sonntagsallianz warnt vor schleichender Aushöhlung des gemeinsamen Ruhetags

Die Herbst-Vollversammlung der Allianz für den freien Sonntag am 16. Oktober im Priesterseminar in Graz hat sich mit der aktuellen Entwicklung rund um das Arbeiten an Sonn- und Feiertagen auseinandergesetzt und diese als äußerst bedenklich bewertet. Dabei wurden insbesondere drei Themenbereiche hervorgehoben und eingehend diskutiert:
1. Paketzustellung am Sonntag durch die Österreichische Post Die Österreichische Post hat im Herbst 2024 ein Pilotprojekt zur Sonntagszustellung gestartet – zunächst in vier Wiener Bezirken, exklusiv für Premiumkund:innen eines großen Online-Händlers. Inzwischen wird auch in allen Wiener Gemeindebezirken sowie in Linz und Graz sonntags zugestellt. Die Post begründet dies mit wachsender Nachfrage nach schnellen Lieferungen, insbesondere rund um Black Friday und Weihnachten. Zwar setzt die Post mittlerweile auf ein eigenes Wochenendteam – die sogenannten „Sunday Heros“ und „Co-Heros“, die direkt angestellt und in Teilzeit tätig sind – doch die grundsätzliche Kritik bleibt bestehen. Die Allianz für den freien Sonntag sieht darin eine gefährliche Entwicklung: Die Sonntagsarbeit wird schleichend zur Normalität. Der Sonntag muss als gemeinsame Ruhezeit erhalten bleiben – für alle Beschäftigten, ob intern oder extern. Wir fordern faire Arbeitsbedingungen und sprechen uns entschieden gegen eine weitere Ausweitung der Sonntagsarbeit aus.
2. Selbstbedienungsläden – Einkaufen rund um die Uhr? Auch für Selbstbedienungsläden gelten in Österreich die gesetzlichen Öffnungszeiten. Eine vollständige Rund-um-die-Uhr-Öffnung ist derzeit nicht erlaubt. Im Regierungsprogramm wird jedoch eine Liberalisierung angestrebt, die digitalen Nahversorgern flexiblere Öffnungszeiten ermöglichen soll. Die Bezahlung erfolgt über automatische Systeme, die Boxen sind mit modernen Sicherheitstechnologien ausgestattet. Trotz Automatisierung sind Wartung und Befüllung notwendig – und damit auch menschliche Arbeitskraft. Erhöhtes Verkehrsaufkommen und andere Folgen widersprechen somit auch hier dem Charakter des Sonntags als gemeinsamem Ruhetag.
3. Essenslieferung am Sonntag Lieferdienste wie Foodora oder Lieferando setzen zunehmend auf freie Dienstnehmer:innen. Die Allianz für den freien Sonntag stellt infrage, ob eine permanente Verfügbarkeit solcher Dienstleistungen gesellschaftlich notwendig ist. Während manche die Flexibilität schätzen, fordern wir als Allianz feste Anstellungen, geregelte Arbeitszeiten und die Bewahrung des Sonntags als Ruhetag – soweit möglich.
NEIN zur Sonntagsöffnung im Handel Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck forderte im August 2025 erneut eine Sonntagsöffnung für Wien. Händler sollten frei entscheiden können, ob sie sonntags öffnen – angeblich zur Freude der Tourist:innen. Dem widerspricht die kirchliche Allianz für den freien Sonntag entschieden. „Niemand konnte bisher erklären, woher das zusätzliche Geld kommen soll, das am Sonntag ausgegeben würde“, sagt Philipp Kuhlmann, gewerkschaftlicher Sprecher der Sonntagsallianz. Auch das Argument, Tourist:innen würden davon profitieren, überzeugt nicht: „Sie sind im Schnitt 2,5 Tage in Wien – genug Zeit zum Einkaufen. Wien ist einzigartig – und der freie Sonntag gehört dazu. Wer glaubt, Tourist:innen kämen zum Shoppen statt für Kultur, verkennt den Wert unserer Stadt.“ Gerade der entspannte Sonntag macht Wien und andere Städte in Österreich besonders und die Beschäftigten im Handel brauchen den Sonntag als gemeinsamen Ruhetag.
Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl, Referatsbischof für die Sonntagsallianz, betont den kulturellen und historischen Wert des freien Sonntags: „Sonn- und Feiertage sind bereits für viele Menschen Arbeitstage. Bei systemrelevanten Berufen kommen wir nicht drum herum und all diesen Beschäftigten muss man dankbar sein. Aber ob der Handel an Sonn- und an Feiertagen offen sein muss, das kann man bezweifeln. Als ob die ungezügelte Befriedigung des Konsums das Wichtigste im Leben wäre. Der freie Sonntag steht für einen Rhythmus aus Arbeit und Ruhe, der seit Jahrhunderten tief in uns drinsteckt. Der ist wichtig und sinnvoll und den sollten wir nicht aufgeben.“ GPA-Petition gegen die Sonntagsöffnung Der freie Sonntag und die Feiertage sind ein wertvolles Gut – für unsere Erholung, für Zeit mit der Familie und für ein gutes Leben. Bisher konnten wir eine flächendeckende Ausweitung der Sonntagsöffnung erfolgreich verhindern. Doch der Druck steigt, und jetzt zählt jede Stimme! meine.gpa.at/sonntagfrei Forderung: Keine gesetzlichen Änderungen der Öffnungszeiten Angesichts der genannten Herausforderungen und Bedenken fordert die Allianz für den freien Sonntag die Beibehaltung der aktuellen gesetzlichen Öffnungszeiten, um faire Wettbewerbsbedingungen und den Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu gewährleisten. Wertschätzung für systemrelevante Berufe Wir danken allen, die auch sonntags arbeiten müssen, damit unsere Gesellschaft funktioniert: Sicherheitskräfte, Gastronomie, öffentlicher Verkehr, Gesundheitswesen, Altenpflege und viele andere. Ihr Einsatz verdient höchste Anerkennung.
Logo-Relaunch: Nach 24 Jahren hat die Allianz für den freien Sonntag ihr Logo einem umfassenden Relaunch unterzogen. Ziel war es, das Erscheinungsbild zu modernisieren und gleichzeitig die Wiedererkennbarkeit zu bewahren. Der bisherige „Kästchen-Charakter“ wurde durch ein luftigeres und offeneres Design ersetzt, das mehr Dynamik und Leichtigkeit vermittelt. Das neue Logo soll prägnant, positiv und menschlich sein – mit einer klaren, kraftvollen Gestaltung, die auch eine jüngere Zielgruppe ansprechen soll. Die Präsentation des neuen Logos sowie der überarbeiteten Aktionsmaterialien erfolgte im Rahmen der Herbst-Vollversammlung.
Rückfragen an: Maria Etl, Koordinatorin