Fulminantes Jubiläum im Wiener Rathaus: 25 Jahre Allianz für den freien Sonntag Österreich

Stellvertretend für die zahlreichen langjährigen Wegbegleiter:innen der Allianz seien die ehemalige Sozialministerin Eleonore Hostasch sowie die ehemalige ÖGB-Vizepräsidentin und ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende Renate Csörgits namentlich erwähnt. Auch Vertreter:innen der Allianz für den freien Sonntag Deutschland sowie der European Sunday Alliance feierten mit.
Der freie Sonntag als gesellschaftlicher Wert
Im Mittelpunkt der Festveranstaltung stand nicht nur der Rückblick auf 25 Jahre Allianzarbeit, sondern auch die Frage, welche Bedeutung gemeinsame freie Zeit heute für unsere Gesellschaft hat.
Die Politikwissenschafterin Univ.-Prof. i. R. Sieglinde Rosenberger von der Universität Wien widmete ihren Festvortrag dem Thema „Demokratie braucht freien Sonntag“. Ihre zentrale These: Der arbeitsfreie Sonntag schafft einen Rahmen, der sozialen Zusammenhalt und politisches Vertrauen fördern und stärken kann.
Gemeinsame freie Zeit ermöglicht es Menschen, Zeit mit Familie und Freund:innen zu verbringen, in Vereinen, Kirchen und Zivilgesellschaft aktiv zu werden und Beziehungen zu pflegen. Gerade angesichts wachsender gesellschaftlicher Polarisierung und zunehmender Vereinzelung bekommt diese gemeinsame Zeit eine besondere Bedeutung.
Brücken bauen statt gesellschaftlicher Spaltung
Rosenberger hob dabei auch die besondere Struktur der Allianz hervor. Seit 2001 bringt sie mehr als 50 Mitgliedsorganisationen aus Zivilgesellschaft, Kirchen und Gewerkschaften zusammen. Gerade darin liege ihre Stärke: Menschen und Organisationen mit unterschiedlichen politischen, gesellschaftlichen und weltanschaulichen Hintergründen finden in der Frage der gemeinsamen freien Zeit eine verbindende Schnittmenge. In einer zunehmend polarisierten Gesellschaft sei dieses Brückenbauen zwischen unterschiedlichen Gruppen von besonderer demokratiepolitischer Bedeutung. Die Allianz konzentriere sich nicht nur auf den Zusammenhalt innerhalb einzelner Gruppen, sondern verbinde unterschiedliche gesellschaftliche Milieus miteinander.
Gemeinsame freie Zeit gegen Vereinzelung
Der freie Sonntag setzt darüber hinaus einen bewussten Gegenpunkt zur permanenten Beschleunigung technologischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Prozesse. Obwohl Menschen heute stärker denn je digital miteinander vernetzt sind, können persönliche Beziehungen und reale soziale Kontakte abnehmen. Gemeinsame freie Zeit bietet hier eine strukturelle Möglichkeit für Begegnung, Teilhabe und gesellschaftliches Engagement.
Rosenberger betonte zugleich, dass der freie Sonntag allein keine Antwort auf die gegenwärtigen Herausforderungen der Demokratie sein könne. Er sei jedoch ein wichtiger Baustein für den Aufbau und Erhalt gesellschaftlicher Beziehungen. Demokratie brauche viele solcher Bausteine und Allianzen, ebenso wie eine starke Zivilgesellschaft, Kirchen und Gewerkschaften, die gesellschaftlichen Zusammenhalt und soziale Verantwortung fördern.
25 Jahre gemeinsam für den freien Sonntag
Genau dafür steht die Allianz für den freien Sonntag Österreich seit mittlerweile 25 Jahren. Das Jubiläum im Wiener Rathaus machte deutlich, wie breit das Anliegen des freien Sonntags gesellschaftlich getragen wird.
Dabei wurde an diesem Nachmittag nicht nur diskutiert und zurückgeblickt, sondern vor allem auch gefeiert: 160 Gäste begingen gemeinsam den 25. Geburtstag der Allianz und würdigten ein Vierteljahrhundert Engagement für gemeinsame freie Zeit, Arbeitnehmer:innenschutz und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Das Jubiläum war damit auch ein starkes Zeichen für die Zukunft: Der freie Sonntag ist gemeinsame Zeit. Und gemeinsame Zeit ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Begegnung, Zusammenhalt und gesellschaftliche Teilhabe möglich bleiben.